Ein Kochkurs mit Gin macht Sinn!

Denn Wacholder ist nicht nur das maßgebliche Aroma des Trend-Getränks, sondern auch ein vielfältig genutztes Gewürz in der Küche. Nicht nur Wild und Sauerkraut schreien förmlich nach der Verwendung von Wacholder, auch kräftiger Fisch harmoniert hervorragend mit den harzigen Noten der kleinen, runden Zapfen. Zapfen? Ja, denn obwohl alle von Wacholderbeeren sprechen, handelt es sich eigentlich um Wacholderzapfen. Doch dies nur nebenbei.

Herstellung des Gins

Die Haupt-Aroma-Komponente eines Gins ist Wacholder. Von dem wissenschaftlichen Namen der kleinen, runden Zapfen (Juniperus), leitet sich der niederländische Name „Genever“ und auch das Wort „Gin“ für klaren Branntwein mit Wacholderaroma ab. Die deutliche Wacholdernote wird dem klaren, hochprozentigen Alkohol, der als Basis des Getränks dient, durch drei verschiedene Verfahren zugefügt:

1. Mazeration: Die gewünschten Aromaten, auch Botanicals genannt, werden in Alkohol eingelegt und nach einem bestimmten Zeitraum gefiltert. Diese einfachste Form, die auch leicht Zuhause mit Wacholderbeeren und einem klaren Schnaps hergestellt werden kann, nennt sich Compound Gin. Dieser Gin hat bedingt durch die zugefügten Gewürze und Kräuter eine dunkle Färbung.

2. Digestion: Ein Vorgang wie bei der Mazeration, jedoch wird der Alkohol auf ca. 70 °C erhitzt, so dass sich die Aromaten schneller lösen, der Alkohol jedoch nicht verdampft. Anschließend kann in beiden Fällen der Branntwein destilliert werden, so dass der Gin wieder glasklar wird.

3. Perkulation: Bei diesem Verfahren tropft bzw. strömt heißer Alkohol oder Alkohol-Dampf durch die Aromaten, die sich in Netzen oder Körben befinden.

Der Gin gelangt dann unter verschiedenen zusätzlichen Bezeichnungen in den Handel:

Für die Herstellung eines "London Dry Gin“ werden beispielsweise alle Zutaten gleichzeitig dem Alkohol zugefügt, bevor alles zusammen ein weiteres Mal destilliert wird. Ein Gin bekommt die Bezeichnung "Dry", wenn bei der Herstellung kein zusätzlicher Zucker verwendet wurde.

Siemens Gin Lifekochschule

Kurze Geschichte des Gins

Gin wurde erstmals im 16. Jhd. in Holland aus Roggen gebrannt. Der Wacholder lieferte dabei nicht nur das Aroma, sondern sorgte auch für eine harntreibende Wirkung. In England entwickelte sich Gin im 18. Jhd jenseits des medizinischen Nutzens zum großen Problem: Jeder Londoner konsumierte zu dieser Zeit etwa 400 ml Gin pro Tag "um das tägliche Elend wenigstens für den Moment zu vergessen" (siehe auch Ch. Dickens: Sketches by Boz). Kinder waren in diese Statistik übrigens mit eingeschlossen. Gin-Tonic wurde erfunden, um das während der Kolonialzeit gegen Malaria eingesetzte und extrem bittere, chininhaltige Tonic Water geschmacklich zu verbessern. Tonic (engl. = "kräftigend, stärkend") leitet sich übrigens ab von Tonikum (griech. tonikòs = „gespannt“).